Nur eine Nacht, um Paris vor dem Untergang zu retten

Diplomatie

64. Berlinale Special Gala

Prädikat besonders wertvoll

Historischer Hintergrund

Am 6. Juni 1940 beginnt der Angriff der Deutschen Wehrmacht auf Frankreich. Am 22. Juni 1940 unterzeichnet Marschall Pétain, Kriegsheld des ersten Weltkriegs, nach der Kapitulation der französischen Truppen den Waffenstillstand mit dem Deutschen Reich. Es beginnt die Zeit der Besatzung und Kollaboration. Frankreich wird geteilt in eine deutsch besetzte Zone und das von Vichy aus kontrollierte unbesetzte Frankreich unter der Regierung Pétain. Im November 1942 besetzen deutsche Truppen auch den restlichen Teil Frankreichs.

Im Juni 1940 besucht Adolf Hitler Paris und ist überwältigt von der Schönheit der Stadt. Seine Bewunderung gilt besonders der Oper, dem Pantheon, dem Louvre, dem Justizpalast und den herrschaftlichen Gebäuden an der Rue de Rivoli. Diese Bewunderung teilt er mit seinem Lieblingsarchitekten Albert Speer und er weist ihn an, sich die Harmonie und Pracht von Paris als Vorbild für seine Pläne eines „Groß-Berlin” zu nehmen.

Im Juni 1944 beginnt die Invasion Frankreichs mit der Landung der alliierten Truppen in der Normandie. Aufgrund der Zerstörung Berlins durch die Luftangriffe ist für Hitler die Vorstellung unerträglich, dass Paris unversehrt bleibt. Nach dem fehlgeschlagenen Attentat vom 20. Juli 1944, das von Offizieren der Wehrmacht ausgeführt wurde, ernennt Hitler Dietrich von Choltitz, einer der wenigen Generäle, denen er noch vertraut, zum Stadtkommandanten von Paris. Am 23. August gibt Hitler angesichts des alliierten Vormarschs auf die französische Hauptstadt den Befehl: „Paris darf nicht oder nur als Trümmerfeld in die Hand des Feindes fallen.“

Die Akteure

Dietrich von Choltitz

Dietrich von Choltitz, geboren 1894, stammt aus einer preußischen Adelsfamilie und Offiziersdynastie. 1940 nahm er mit seinem Regiment an der Eroberung und Zerstörung Rotterdams teil, die viele zivile Opfer forderte. Im Juni 1942 war er an der Eroberung von Sebastopol beteiligt, in deren Folge von SS und SD 30.000 Juden auf der Krim ermordet wurden. Von Choltitz war beteiligt an der Schlacht um Charkov, kämpfte an der italienischen Front und 1944 in der Normandie. Auch weil er nicht in das Attentat vom 20. Juli verwickelt war, ernannte Hitler ihn am 7. August 1944 zum „Kommandierenden General und Wehrmachtbefehlshaber von Groß-Paris“. Am 25. August 1944 kapitulierte von Choltitz, nachdem er sich geweigert hatte, Hitlers Befehl zur Zerstörung der Stadt auszuführen. Er kam in britische, später in amerikanische Kriegsgefangenschaft, aus der er 1947 entlassen wurde. Von Choltitz kehrte zurück nach Baden-Baden zu seiner Familie, die den Repressalien der Nazis entkommen war. Er starb 1966.

Raoul Nordling

Raoul Nordling wurde 1882 in Paris als Sohn einer französischen Mutter und eines schwedischen Vaters geboren. 1926 zum schwedischen Generalkonsul in Paris ernannt, vermittelte er während des Zweiten Weltkriegs mehrmals zwischen den kriegsführenden Parteien. Am 18. August 1944 erreichte er die Freilassung von etwa 3.000 Gefangenen der Wehrmacht und verhandelte mit von Choltitz kurz darauf den Waffenstillstand zwischen der französischen Résistance und den deutschen Besatzungstruppen, wodurch er auch die Bombardierung der Polizeipräfektur verhinderte. Er starb 1962.

Zeittafel

Die Befreiung von Paris

  • Dienstag, 1. August 1944: Die 2. Französische Panzerdivision erreicht die Normandie.
  • Dienstag, 15. August 1944: Französisch-amerikanische Streitkräfte besetzen Teile der Provence. Die Pariser Polizei streikt.
  • Donnerstag, 17. August 1944: Radio Paris (Kollaborateur) stellt seinen Sendebetrieb ein. Raoul Nordling trifft mit von Choltitz eine Vereinbarung über die Befreiung politischer Gefangener.
  • Freitag, 18. August 1944: Plakate von Oberst Rol-Tanguy, die zu allgemeiner Revolte aufrufen, werden in der gesamten Stadt angebracht.
  • Samstag, 19. August 1944: Erste Straßenkämpfe. Besetzung der Polizeipräfektur durch Widerstandskämpfer, gefolgt vom Rathaus, den Ministerien, Zeitungsverlagen und weiteren Gebäuden. Angriff deutscher Truppen auf die Polizeipräfektur. Nordling und von Choltitz handeln eine Waffenruhe bis zum Folgetag aus.
  • Sonntag, 20. August 1944: Die Straßenkämpfe gehen weiter. Feldwebel Pétain verlässt Vichy unter deutschem Geleit in Richtung Osten. Vereinbarungen zur Verlängerung der Waffenruhe werden im schwedischen Konsulat getroffen. Innerhalb des französischen Widerstands kommt es zu Diskussionen über das weitere Vorgehen.
  • Montag, 21. August 1944: Die Straßenkämpfe gehen trotz der Verlängerung der Waffenruhe weiter. General Leclerc, Kommandant der 2. Französischen Panzerdivision, schickt einen ersten Stoßtrupp nach Paris. Die Waffenruhe wird gebrochen.
  • Dienstag, 22. August 1944: Der Widerstand errichtet in der gesamten Stadt Barrikaden. General Bradley erteilt den Befehl an General Leclerc, in Paris einzumarschieren.
  • Mittwoch, 23. August 1944: Hitler gibt von Choltitz den Befehl zur totalen Zerstörung von Paris. Die 2. Französische Panzerdivision stößt weiter nach Paris vor. Brandanschlag auf das Grand Palais. Von Choltitz droht daraufhin, öffentliche Gebäude mit schwerer Artillerie zu beschießen.
  • Donnerstag, 24. August 1944: Das französische Radio verkündet die Ankunft der 2. Französischen Panzerdivision.
  • Freitag, 25. August 1944: Die französischen Truppen unter Oberst Billotte marschieren in Paris ein. General Leclerc richtet seinen Kommandoposten in Montparnasse ein. Billotte sendet ein Ultimatum an von Choltitz, das von Nordling überbracht wird. Leclerc erhält daraufhin Nachricht über von Choltitz' Kapitulation im Polizeipräsidium. Der deutsche Kommandant unterzeichnet den Waffenstillstand. General de Gaulle trifft am Bahnhof Montparnasse ein.
  • Samstag, 26. August 1944: Unter dem Jubel der Pariser Bevölkerung zieht General de Gaulle in die befreite Stadt ein.